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Zum Selbstbild Polens am Beispiel des Auslandssenders TV Polonia (2003-2005)

Bettina Mecke

Abstract

Was ist ´gut´, was ´schlecht´? Welche Dinge haben eine hohe Wertigkeit, welche nicht? Was aus dem kulturellen Erbe wird tradiert? Wie wird erinnert und an was? Wie stellt man sich selbst dar, wie ´die Anderen´? All diese Aspekte sind Teil eines gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses. Sie werfen ein zeithistorisches Schlaglicht auf das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Diese Prozesse finden zu einem nicht unwesentlichen Teil im Fernsehen statt. Als Massenmedium nimmt es in den Zuschreibungsprozessen eine wichtige Vermittlerrolle ein. Es verbreitet Informationen über ethische Wertmaßstäbe. Es repräsentiert einen kulturellen Kanon, also einen Konsens darüber, was aus dem kulturellen Erbe als kollektives Wissen tradiert werden soll. Und schließlich schafft und transportiert es Fremd- und Autostereotype und ist damit zentral an der Bildung kultureller Selbstbilder beteiligt. Die Frage danach, welche Informationen im Fernsehen vermittelt werden und auf welche Art und Weise dies geschieht, wirft daher immer auch ein Schlaglicht auf das Verständnis von Welt zu einem gegebenen Zeitpunkt in einer gegebenen Gesellschaft. Anders formuliert: Ausgangspunkt des Forschungsinteresses ist die triviale Feststellung, dass Fernsehen ein wichtiger Träger von Ideologien ist. TV Polonia wendet sich in seiner Funktion als staatlicher Auslandssender an ein Publikum außerhalb Polens. Dennoch eignet sich gerade dieses Programm, ein Schlaglicht auf aktuelle Diskurse kollektiver Selbstverständigung in Polen zu werfen. Grund dafür ist eine Programmatik, die versucht, Überzeugungen zu vermitteln, die als zentral für das polnische Selbstverständnis erachtet werden. In TV Polonia geht es darum, ein konzentriertes ´Bild von Polen´ zu exportieren. Ziel ist die Ein- bzw. Rückbindung der im Ausland lebenden Polonia an Polen und damit die Stabilisierung einer Vorstellung von der weltumspannenden Gemeinschaft aller Polen. Vor dem Hintergrund des sich durch das Programm ziehenden Konzeptes einer Polonia, die in unauflösbarer ethnischer und kultureller Verbindung zu Polen gedacht wird, kann man von einem spezifischen Bildungsauftrag TV Polonias sprechen. Sein Ziel ist die Stärkung einer polnischen Werte- und Abstammungsgemeinschaft, die Polen und Polonia als ein großes nationales Kollektiv versteht. Die Identifikation mit der Nation ist daher die alles beherrschende Klammer. Die spezifische Bildungsarbeit von TV Polonia manifestiert sich in der Tradierung eines kulturellen und historischen nationalen Kanons sowie der Vermittlung zentraler Werte wie bspw. Familie, hochkulturelle Bildung, Widerstandsgeschichte, aber auch die Pflege der polnischen Sprache. Bei der Art und Weise, wie auf TV Polonia kollektive Überzeugungen und kollektives Wissen vermittelt werden, lässt sich die deutliche Betonung eines traditionellen Weltbilds herauslesen, das sich an Vorgaben der katholischen Morallehre orientiert. Zusätzlich wird dies noch einmal verstärkt durch das Fehlen von Alternativentwürfen. Das Programm von TV Polonia setzt sich zu zwei Dritteln aus Produktionen des Inlandprogramms des polnischen staatlichen öffentlichen Fernsehens, TVP, zusammen. Die in dieser Arbeit am Beispiel von TV Polonia herausgearbeiteten Diskurse stammen damit zu großen Teilen aus dem Inlandprogramm des polnischen staatlichen Fernsehens. Obwohl also die namensgebende Polonia eigentliche Adressatin ist, muss man davon ausgehen, dass das Auslandsfernsehen zugleich für einen wesentlichen Teil des öffentlichen Fernsehens in Polen stehts ─ eine Hypothese, deren Überprüfung in einer eigenständigen Analyse nachzugehen wäre.
Record ID
UAM90694ad922084f9495364a502d473b27
Diploma type
Doctor of Philosophy
Author
Bettina Mecke Bettina Mecke,, Undefined Affiliation
Title in Polish
Zum Selbstbild Polens am Beispiel des Auslandssenders TV Polonia (2003-2005)
Title in English
Zum Selbstbild Polens am Beispiel des Auslandssenders TV Polonia (2003-2005)
Language
deu (de) [ger] German
Certifying University/Institution (when outside AMU)
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Discipline
ethnology / (humanities) / (humanities)
Scientific discipline (2.0)
1.6 culture and religion sciences
Status
Finished
Year of creation
2018
Start date
24-01-2018
Defense Date
24-01-2018
Title date
24-01-2018
Supervisor
Keywords in English
mass media, television, state
Abstract in English
Was ist ´gut´, was ´schlecht´? Welche Dinge haben eine hohe Wertigkeit, welche nicht? Was aus dem kulturellen Erbe wird tradiert? Wie wird erinnert und an was? Wie stellt man sich selbst dar, wie ´die Anderen´? All diese Aspekte sind Teil eines gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses. Sie werfen ein zeithistorisches Schlaglicht auf das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Diese Prozesse finden zu einem nicht unwesentlichen Teil im Fernsehen statt. Als Massenmedium nimmt es in den Zuschreibungsprozessen eine wichtige Vermittlerrolle ein. Es verbreitet Informationen über ethische Wertmaßstäbe. Es repräsentiert einen kulturellen Kanon, also einen Konsens darüber, was aus dem kulturellen Erbe als kollektives Wissen tradiert werden soll. Und schließlich schafft und transportiert es Fremd- und Autostereotype und ist damit zentral an der Bildung kultureller Selbstbilder beteiligt. Die Frage danach, welche Informationen im Fernsehen vermittelt werden und auf welche Art und Weise dies geschieht, wirft daher immer auch ein Schlaglicht auf das Verständnis von Welt zu einem gegebenen Zeitpunkt in einer gegebenen Gesellschaft. Anders formuliert: Ausgangspunkt des Forschungsinteresses ist die triviale Feststellung, dass Fernsehen ein wichtiger Träger von Ideologien ist. TV Polonia wendet sich in seiner Funktion als staatlicher Auslandssender an ein Publikum außerhalb Polens. Dennoch eignet sich gerade dieses Programm, ein Schlaglicht auf aktuelle Diskurse kollektiver Selbstverständigung in Polen zu werfen. Grund dafür ist eine Programmatik, die versucht, Überzeugungen zu vermitteln, die als zentral für das polnische Selbstverständnis erachtet werden. In TV Polonia geht es darum, ein konzentriertes ´Bild von Polen´ zu exportieren. Ziel ist die Ein- bzw. Rückbindung der im Ausland lebenden Polonia an Polen und damit die Stabilisierung einer Vorstellung von der weltumspannenden Gemeinschaft aller Polen. Vor dem Hintergrund des sich durch das Programm ziehenden Konzeptes einer Polonia, die in unauflösbarer ethnischer und kultureller Verbindung zu Polen gedacht wird, kann man von einem spezifischen Bildungsauftrag TV Polonias sprechen. Sein Ziel ist die Stärkung einer polnischen Werte- und Abstammungsgemeinschaft, die Polen und Polonia als ein großes nationales Kollektiv versteht. Die Identifikation mit der Nation ist daher die alles beherrschende Klammer. Die spezifische Bildungsarbeit von TV Polonia manifestiert sich in der Tradierung eines kulturellen und historischen nationalen Kanons sowie der Vermittlung zentraler Werte wie bspw. Familie, hochkulturelle Bildung, Widerstandsgeschichte, aber auch die Pflege der polnischen Sprache. Bei der Art und Weise, wie auf TV Polonia kollektive Überzeugungen und kollektives Wissen vermittelt werden, lässt sich die deutliche Betonung eines traditionellen Weltbilds herauslesen, das sich an Vorgaben der katholischen Morallehre orientiert. Zusätzlich wird dies noch einmal verstärkt durch das Fehlen von Alternativentwürfen. Das Programm von TV Polonia setzt sich zu zwei Dritteln aus Produktionen des Inlandprogramms des polnischen staatlichen öffentlichen Fernsehens, TVP, zusammen. Die in dieser Arbeit am Beispiel von TV Polonia herausgearbeiteten Diskurse stammen damit zu großen Teilen aus dem Inlandprogramm des polnischen staatlichen Fernsehens. Obwohl also die namensgebende Polonia eigentliche Adressatin ist, muss man davon ausgehen, dass das Auslandsfernsehen zugleich für einen wesentlichen Teil des öffentlichen Fernsehens in Polen stehts ─ eine Hypothese, deren Überprüfung in einer eigenständigen Analyse nachzugehen wäre.

Uniform Resource Identifier
https://researchportal.amu.edu.pl/info/phd/UAM90694ad922084f9495364a502d473b27/
URN
urn:amu-prod:UAM90694ad922084f9495364a502d473b27

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